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"Antisemitismus in der Türkei"

Mit dieser Broschüre wendet amira sich an Pädagog/innen sowie weitere Multiplikator/innen, die im Rahmen ihrer Arbeit mit antisemitischen Äußerungen von Jugendlichen (oder Erwachsenen) mit türkischem Migrationshintergrund konfrontiert sind. Die Publikation gibt einen Einblick in die Hintergründe und Kontexte von Antisemitismus in der Türkei.

Wir behaupten nicht, dass Antisemitismus ein türkisches Phänomen sei – im Gegenteil. Aus der Forschung zur Genese und Geschichte von Judenfeindschaft ist bekannt, dass sich der Antisemitismus in Europa herausbildet und später von sich nach westlichem Vorbild modernisierenden Gesellschaften aufgenommen und integriert wird. Dennoch haben sich in Ländern wie der Türkei historisch spezifische Erzählungen und Deutungen von Antisemitismus entwickelt. Pädagog/innen rekurrieren gelegentlich auf das besondere Verhältnis von Osmanischem Reich und der Türkei in Bezug zur Geschichte der Verfolgung von Juden. Oft wird z.B. darauf verwiesen, die Türkei habe Juden während der Zeit des Nazi-Regimes Zuflucht gewährt. Dennoch sind antisemitische Einstellungsmuster und Diskurse in Vergangenheit und Gegenwart keineswegs Randerscheinungen in der Türkei.

Diese Handreichung soll dazu anregen, sich in der Auseinandersetzung mit dem Thema nicht auf nur eine Seite dieser Medaille zu stützen, sondern Ambivalenzen und Widersprüche zur Kenntnis zu nehmen und zu thematisieren.
Was Nationalismus und Chauvinismus unter anderem so attraktiv macht, ist die Reduktion von Komplexität und die Inszenierung von Handlungsmacht. Demgegenüber können emanzipative Ansätze nur bestehen, wenn sie zeigen können, dass auch das Sichtbarmachen von Widersprüchen nicht zur Ohnmacht verdammt.

Zum Inhalt der Handreichung: Den Hauptteil dieser kleinen Broschüre bildet ein Text, der aus einer Reihe von Gesprächen und weiteren Recherchen entstanden ist, die das amira-Team gemeinsam mit dem Islamwissenschaftler Jochen Müller im September 2008 in Istanbul geführt hat. Ziel der Reise war es, im Gespräch mit Vertreter/innen zivilgesellschaftlicher Organisationen und Initiativen, der Jugendarbeit, Forscher/innen und Vertreter/innen von Verbänden uns ein Bild über Formen und Verbreitungsgrad von Antisemitismus im politischen Diskurs der Türkei zu verschaffen. Ausgangsthese war die Annahme, dass der aktuelle Antisemitismus in der Türkei – vermittelt über Massenmedien, Internet und transnationale soziale Kontakte – auch die hiesige türkische Migranten-Community beeinflusst. In Kästen gesetzte Kurztexte reißen Themen wie „Dönme“, das Exil der sephardischen Juden im osmanischen Reich oder die Geschichte des „Gerechten“ Selahattin Ülkümen an.

Files:

HR_Antisemitismus_in_der_Tuerkei.pdf  [Webversion (farbig)]  application/pdf  987.2 KB
HR_Antisemitismus_in_der_Tuerkei_sw.pdf  [Webversion (schwarz-weiß)]  application/pdf  286.7 KB