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Chronik 2011

Antisemitische Vorfälle in Berlin

Mitte, 07./08. Februar 2011

In der Nacht vom 07. auf den 08. Februar 2011 wurde das studentische Café Krähenfuß im Hauptgebäude der Humboldt-Universität von Außen mit Parolen besprüht, unter anderem mit der Losung „No Zionism“. Die zwei Fenster des Krähenfußes wurden großflächig mit „No Racism“ und „No Zionism“ besprüht. Dabei wurde der Buchstabe „S“ jeweils in Form einer SS-Rune stilisiert. Außerdem wurde die Wand zwischen den Fenstern mit dem Slogan „end imperalism“ beschmiert. Wie das Referat für Antifaschismus mitteilt, reihen sich die Schmierereien in eine Anzahl in letzter Zeit an der Universität wieder vermehrt auftauchender antisemitischer Sprüche ein, die zumeist auf Toiletten oder in Vorlesungs- und Seminarräume gemalt wurden. (Referat für Antifaschismus und studentisches Café Krähenfuß der HU Berlin, 12.02.2011)

Karlshorst, 22. Februar 2011

In der Nähe des S-Bhf Karlshorst werden antisemitische Schriftzüge entdeckt und entfernt. (Lichtenberger Register, Quelle: UJZ Karlshorst)

Friedrichshain, 27. März 2011

Polizisten bemerkten heute Vormittag einen Mann auf dem Vorplatz des S-Bahnhofs Ostbahnhof in Friedrichshain, der verfassungswidrige Kennzeichen verwendet hatte. Die Beamten sahen gegen 11 Uhr, wie der augenscheinlich Betrunkene den sogenannten „Deutschen Gruß“ mehrmals auf dem belebten Bahnhofsplatz entrichtete. Als die Polizeibeamten den 35-Jährigen überprüften, wurden sie von vier Schweizer Touristen angesprochen, die von dem Mann zuvor antisemitisch beschimpft wurden. Der nationalsozialistische Gruß ist in Deutschland gesetzlich verboten, so dass die Beamten ein Ermittlungsverfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Symbole gegen ihn einleiteten. Nach einer durchgeführten Blutentnahme wurde der 35-Jährige wieder entlassen.(Pressedienst der Polizei, 27.03.2011)

Lichtenberg, 27. März 2011

Ein Aussteiger aus der Berliner Neonaziszene wird auf dem S-Bahnhof Lichtenberg von sechs Vermummten als “Verräterschwein”, “Judensau” und mit den Worten “wir kriegen dich” beschimpft. Als er flüchtet, werden seine beiden Begleiter mit Pfefferspray attackiert. (Lichtenberger Register/Tagesspiegel)

Prenzlauer Berg, 31. März 2011

Nachdem sie weder die Rechnung begleichen noch sein Restaurant verlassen wollten, schlugen zwei Gäste in der vergangenen Nacht in Prenzlauer Berg auf den Wirt ein. Der Gastronom und seine Angestellte alarmierten gegen 1 Uhr die Polizei in die Wichertstraße, wo die Beamten zwei 30- und 33-Jährige festnahmen. Die beiden sollen den 60-jährigen Wirt zuvor angegriffen und dabei an Kopf, Rücken und Oberkörper verletzt haben. Kurz zuvor hatte der zahlungsunwillige 30-Jährige den Restaurantbetreiber nach dessen Aussage mehrmals antisemitisch beleidigt. Der Geschlagene hatte sich nach eigenen Angaben gegen die Angriffe gewehrt und dabei dem 30-Jährigen eine Platzwunde am Auge zugefügt. Während die Polizisten den Sachverhalt vor Ort aufnahmen, trat ein bis dahin unbeteiligter 61-jähriger Gast hinzu, schrie die Beamten an und kam zuvor erteilten Platzverweisen nicht nach. Als er für die Dauer des Einsatzes festgenommen werden sollte, wehrte er sich und verletzte sich dabei selbst am Kopf. Ihn erwartet ein Ermittlungsverfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Gegen die beiden aggressiven Gäste leiteten die Beamten Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Volksverhetzung ein. Nach ambulanter Behandlung wurden alle drei Verletzten wieder aus umliegenden Krankenhäusern entlassen. (Pressedienst der Polizei, 31.03.2011)

Wilmersdorf, 27. April 2011

Eine 45-jährige Angestellte der Gaststätte “Café Credo” in der Westfälischen Straße rief am Mittwochabend die Polizei, nachdem sie bemerkte hatte, dass jemand aus einer Gruppe von acht bis neun Leuten mit Kreide ein Hakenkreuz auf die Speisetafel vor dem Haus gemalt hatte. Der Staatsschutz ermittelt. Wie ein Beamter dem Tagesspiegel sagte, werde das “Credo” von einer russischstämmigen Jüdin betrieben. (Tagesspiegel, 28.04.2011)

Weißensee, 6. Mai 2011

Ein Anwohner der Berliner Allee in Weißensee alarmierte gestern Abend gegen 20 Uhr 30 die Polizei, da Unbekannte eine Gedenktafel mit Farbe beschmiert hatten. Das Denkzeichen an dem Wohnhaus der Berliner Allee 234 (heute Nr. 73) erinnert an acht frühere jüdische Bewohner, die zwischen Oktober 1941 und Mai 1943 abgeholt, deportiert und in nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet wurden. Diese Gedenktafel war erst am 3. Mai durch das Bezirksamt wieder angebracht worden, nach dem die Vorgängertafel Anfang 2010 gestohlen worden war. (Pressedienst der Polizei, 07.05.2011 / Pressemitteilung des Bezirksamts Pankow, 09.05.2011)

Weißensee, 13. Mai 2011

Am 13.05.2011 wurde eine Hakenkreuz-Schmiererei auf dem Wandbild im Foyer des Treppenhauses im Rathaus Weißensee entdeckt und zur Anzeige gebracht. Bei dem Wandbild handelt es sich um die Arbeit eines Jugendaustausches im Jahr 1997 im Rahmen der Städtepartnerschaft Berlin-Weißensee und der Stadt Ashkelon in Israel. Die zuständige Polizeidienststelle hat den Staatsschutz informiert. Nach Abschluss der Beweissicherung wurde die Schmiererei auf dem Wandbild entfernt. (Pressemitteilung des Bezirksamts Pankow, 16.05.2011)

Neukölln, 14. Mai 2011

Eine antisemitisch motivierte Beleidigung hat eine 49-Jährige heute gegen 10 Uhr auf dem U-Bahnhof Hermannplatz einer alarmierten Funkwagenbesatzung angezeigt. Danach habe ein Unbekannter sie in einem Zug der Linie 8 im Hinblick auf einen Davidstern, den sie an einer Kette um den Hals trug, beleidigt und den Inhalt eines Kaffeebechers in ihre Richtung geschüttet. Der Mann, der gebrochen Deutsch sprach und einen Migrationshintergrund haben soll, ist am Kottbusser Tor ausgestiegen. (Pressedienst der Polizei, 14.05.2011)

Oberschöneweide, 13. Juni 2011

Unbekannte haben ein Denkmal für Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus in der Griechischen Allee in Berlin-Oberschöneweide beschmiert. Dies wurde am Montagabend festgestellt, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Neben Hakenkreuzen handele es sich um antisemitische Sprüche und Lobesworte für Adolf Hitler. Das Denkmal erinnert an die in Oberschöneweide durch die Nationalsozialisten umgebrachten Widerstandskämpfer. (Die Welt, 14.06.2011)